„You are my candy girl“

Vegan, Paleo, low carb oder wie sie alle heißen sind Vertreter unseres Zeitgeistes und Teilnehmer im Wettbewerb um den „gesündesten Lifestyle“ in den sozialen Netzwerken. Wer nicht gerade ausschließlich auf Superfoods setzt oder basenfastet, detoxt sich gesund, denn es gehört mittlerweile zum guten Ton einen oder mehrere Ernährungstrends mitzumachen.
Weniger cool ist es hingegen sich durch eine Schwangerschaft zu „diabeten“. Was so viel heißt wie: „no sugar“ oder überspitzt „no happiness“, denn wenn man schwanger auf jegliche Form von Süßigkeit verzichten soll, kann man das nur als linke Nummer des Schicksals bezeichnen. Oder auch als Schlag in die Magengrube – zumindest empfand ich die Diagnose „Schwangerschaftsdiabetes“ als solchen. Eine ganz schön leere Magengrube wie ich zu diesem Zeitpunkt vermutet hatte. Gebeutelt von Hormonen trauerte ich bereits geistig im Gespräch mit der Ärztin jedem Stück Schokolade nach; eine Trauer, die ihren Höhepunkt im Gespräch mit der Ernährungsberaterin fand, die mir erklärte, dass auch Pizza ein Tabu ist, weil Weißmehl ja auch Zucker sei. Nicht, dass ich jeden Tag derlei zu mir genommen hätte, aber die Vorstellung allein ließ mich den Schlag noch härter spüren. Bei mir dachte ich nur: „Was zum Henker? Ich ernähr mich doch gesund!“ und verstand die Welt nicht mehr.

Während ich mir also viermal täglich in den Finger stach, um meinen Zuckerstand zu eruieren, dachte ich darüber nach was ich falsch gemacht hatte, aber auch was ich anders machen konnte. Dabei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass meine Bauchspeicheldrüse wohl männlich sein muss, wenn sie sich von meinen Schwangerschaftshormonen derart einschüchtern lässt und dass es immer noch eine Steigerung von „gesund“ essen zu „richtig gesund“ essen gibt. „Richtig gesund“ sollte also das Ziel sein, also her mit dem reinen Vollkornbrot und den Körben voll Gemüse und weg mit den Keksdosen (ja, meine Schwangerschaft und -Diabetes fiel genau in die Weihnachtszeit – an dieser Stelle ist übrigens eine Extraportion Mitleid vollkommen angebracht).

Was anfangs nicht stemmbar erschien, ließ mich das Thema Ernährung neuerlich genauer unter die Lupe nehmen. Da ich aber noch nie etwas von Fanatismus hielt und erst recht nicht wenn’s ums Essen geht, wollte ich nicht auf jeglichen Genuss verzichten und habe im Rahmen des Ernährungsplans meine eigenen Gerichte entwickelt. Und gutes Essen zu kochen und danach zu essen, ist besonders wenn man zuvor dachte, dass eine Zeit voller Entbehrungen vor einem liegt, ein wahres Vergnügen. Aufgrund der Anpassungen, die ich an meinem Speiseplan vornahm, denn im Grunde reichten Anpassungen aus, konnte ich das Spritzen von Insulin vermeiden und durfte meine Werte bereits nach etwa zwei Monaten nur noch gelegentlich kontrollieren. Was nicht heißen soll, dass Ernährung bei dieser Diagnose ein wahrer Wunderwuzi ist, manch eine Bauchspeicheldrüse ist halt so ein richtiges Mannsbild und braucht deswegen mehr Unterstützung.

So oder so, aus der Kategorie, wie lässt sich Diabetes und Schwangerschaft vereinen, ohne ganze Städte mit Hormonwaffen zum Einsturz zu bringen, habe ich folgendes Rezept mitgebracht:

Das macht gutes Essen (mit oder ohne Zucker) zu einem Glücksvogerl.

One thought on “„You are my candy girl“

  1. Dein Rezept liest sich sehr gut und wird von mir demnächst nachgekocht.
    Ich weiß nicht ob es nur modern ist sich „basisch, low carb oder ohne künstlich hergestellten Zucker“ zu ernähren. Es tut einem halt einfach gut.
    Aber sicher ist, dass gutes Essen gut tut und daher glücklich ???? macht.
    Bei dem Verzicht auf die Kekse in der Weihnachtszeit hast Du Dich gut gehalten, Hut ab – das kann ja leider nicht jeder.
    Ich freue mich, dass Du wieder ein bisschen Zeit für Deinen Blog hast????

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.