Corona bringt mich um mein Projekt Erziehung und schenkt mir Authentizität

Montag:Yoga. Dienstag: Besuch bei den Großeltern. Mittwoch: Kanga-Training. Donnerstag: Spielgruppe. Freitag: Pause. Samstag – Sonntag: Familienzeit bzw. Projekte im Haus/Garten. Und dazwischen andere soziale Aktivitäten.

Soweit der Plan. Soweit so gut. Also solang bis Corona kam und unser Leben eine Spur planloser machte. Wie ein Schiff ohne Navigationssystem – aber nicht mit dem Ziel „Eisberg“, sondern „romantischer Sonnenuntergang über dem Meer für Drei“. Oder für „Zwei und ein Babyphone“. Allerdings hatte ich auch nicht sofort die Sonnenstrahlen im Gesicht, sondern musste auch erstmal den Eispickel bedienen. Denn nicht nur einmal hab ich mich grimmig sagen hören: „Teil meines Erziehungsplans war unser Kind so zu sozialiseren, dass es zwar gut gebunden ist, aber nicht an meinem Rockzipfel hängt, also offen auf andere zugeht.“ Und jetzt steh ich bzw. sitz ich da.

Wieder mit der Schürze um den Bauch gebunden und das Piepsen der Waschmaschine im Ohr – am Klo. Draußen vor der Tür der Kerl mit dem Kerlchen am Arm, das herzzerreißend schreit, weil es seiner Mama doch assistieren muss.
Na gut, ganz so schlimm ist es vielleicht nicht. Manchmal fühlt es sich aber so an, wenn die Blase plötzlich so schüchtern wird wie damals als man selbst noch Kind war und die eigene Mutter mit Engelszungen auf einen einredetet, dass man ohne weiteres im Wald pinkeln kann, wenn man doch so dringend muss. Es versteht sich von selbst, dass dieses Gespräch bereits mit herabgelassener Skihose stattfand und es mit dem Besuch der nächsten Skihütte und somit Toilette endete. Ob meine Mutter dabei fluchte, weiß ich nicht. Mir, allerdings, ist da gelegentlich danach. Und zwar auch deswegen, weil mein Plan kläglich gescheitert ist.

So wie so einige Pläne dieser Tage: nix ist es mit den transgenerationalen Kontakten, die Unterschiedlichkeit vermitteln sollen. Nix mit dem Gewicht vor der Schwangerschaft, trotzdem dass die Geburt über ein Jahr her ist. Und nix mit der Förderung gleichaltriger sozialer Kontakte und der Entwicklung nach Emmi Pikler. Und. Und. Und.
Stattdessen gab’s mal ne Runde Ernüchterung. Und dann… viel Zeit für lange Nachmittage im Garten und dem Entdecken von Gänseblümchen, Regenwürmern und jeder Menge Erde.Viel Zeit für das Beobachten eines Kleinkindes, wie es seinen Spielfokus komplett auf Alltagsgegenstände richtet und am liebsten fünf Rollmeter mit zum Mittagsschlaf nimmt.Viel Zeit für täglich gemeinsam frisch zu kochen und dabei kurzzeitig den Verlust seines Kindes in einer Rührschüssel zu erleben.Viel Zeit um gemeinsam am Boden zu liegen, zu spielen und zu lachen.Viel Zeit um so richtig authentisch zu sein…
und wegzukommen von Erziehungsplänen und mehr ins „Leben leben“ zu kommen. Also gut, die Grundideen bleiben bestehen – aber genau die zeigen gerade jetzt ihre große Bedeutung. Es geht eben ums „Leben leben“. Es einzuatmen, manchmal davon ausgespuckt zu werden und dann wieder im Goldregen zu stehen. Letzteres (für mich) am liebsten mit dem Kerl an der Hand und dem Kerlchen im Arm.


Also hier die Tipps für das Leben in Zeiten von Corona:

– das Leben leben wie es gerade ist, es zu so zu nehmen, wie es gerade ist und die Ressourcen darin zu entdecken
– Aus

Das macht das Leben zu leben zu einem Glücksvogerl.

(An dieser Stelle möchte ich noch anmerken, dass diese Zeit selbstredend, eine äußerst große Belastung für die Psyche darstellt bzw. darstellen kann. Bringt man diese Belastungen verbal zum Ausdruck, kann Entlastung entstehen. Wenn das nicht so funktioniert wie man es gerne hätte, gibt es die Möglichkeit mit Menschen vom Fach Kontakt aufzunehmen. BÖP-Helpline: 01504 8000)

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